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Ich sage manchmal zu Freunden, dass ich kein richtiger Schriftsteller bin, sondern eine Art von Liebhaber, von „Dilettante”. Stephan Hermlin (Durzak, Manfred) Die deutsche Kurzgeschichte der Gegenwart, Philipp Reclam jun. , Stuttgart, 14.11.1977, S. 47. |
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Augen Wir alle haben den gleichen Beruf Er machte sehen in der Nacht Sehen heißt handeln heißt begreifen Und Sehen heißt sein oder nicht sein. P. Eluard Franz Fühmann: Vor dem Altar der Drucker: Drei Wünsche, in HAP Grieshaber Botschaften, Zeitzeichen, Philipp Reclam jun. , Leipzig 1983, S. 86. Je dis ce que je vois ce que je sais ce qui est vrai. C'est le rôle de l'écrivain dans n'importe quelle société. Stephan Hermlin (Alain Lance) Six questions à Stephan Hermlin, Action poétique 1969, H. 41-42, S. 115. Der Titel eines Gedichtbandes von Eluard, der mir immer besonders gut gefallen hatte, lautet: Donner à voir, also: Vorzeigen. Ich wollte immer Leuten etwas zeigen und habe das auch getan. Wenn ich etwas entdeckt hatte, was ich besonders großartig fand, lief ich zu irgend jemandem hin und sagte ihm: „Hör mal zu” oder „Sieh dir das mal an”. Es gibt ein Moment der spontanen Begeisterung, des spontanen Erfassens von wesentlichen Leistungen, die ganz Unterschiedliches betreffen. Und meine Art der Annährung ist die, dass ich mir niemals die Frage vorlege: darf ich das eigentlich bewundern, oder liegt das in einer bestimmten Linie, die mir erlaubt das zu bewundern, vielmehr ging ich vom Bewundern aus. Ich glaube nicht, mich darin getäuscht zu haben - das, was ich bewundert habe und bewundere, ist bewundernswert. (...) Anders ist es, wenn man dann auf die Kultur direkt zu sprechen kommt und ihre einzelnen Erscheinungen, auf große Schriftsteller, auf große Komponisten, auf große Maler. Das, was einem an ihnen aufgefallen ist, muss man vorweisen. Stephan Hermlin Schlenstedt, Silvia: Stephan Hermlin, Volk u. Wissen volkseigener Vlg. , Berlin 1985, S. 16-17. Stimme Der Vorleser Ich muss sie alle vereinen, Die ich einzeln nicht gelten lasse. Aus tausend, die jeder was meinen, Mach' ich eine fühlende Masse. Ob der oder jener mich lobe, Ist für die Wirkung egal. Schimpft alle in der Garderobe, Ihr wart mich doch wehrlos im Saal! Karl Kraus Kraus, Karl: Aphorismen und Gedichte, Auswahl 1903-1933, Vlg. Volk und Welt, Berlin 1985, S. 242. Er las, was er ausgewählt hatte, in der für seine Kunst des Vorlesens so kennzeichnenden Art: Er nahm sich zurück und gab sich zugleich in das Vorgetragene selbst hinein. Er las und Ruhe kam auf im Saal, Einspruch, erregter Streit. Silvia Schlenstedt Freitag 11.04.1997, S. 3. Stephan Hermlin, las mit, was Stephan Hermlin weiß, und so kamen die Worte zu genauem Leben. Sie waren nun wieder, was sie meinten, als sie geschrieben wurden (…). Er kann sie so lesen, und vor allem sie so schreiben. Hermann Kant ND 8.4.1997, S. 9. Anfang der Achtziger erlebte ich eine Lesung Stephan Hermlin beim ”Zentralen Poetenseminar der FDJ” in Schwerin. Er wartete lange, bis es im Saal still geworden war, brach nach den ersten Worten ab und wartete wieder. Dann trug er aus dem von ihm herausgegebenen Lesebuch ”Von Luther bis Liebknecht” vor (…). Hermlin, er schien unnahbar, forderte Respekt - für die Literatur und für sich. Ingo Schulze Liebe zur Literatur und wachsende Sorge um das Land, Der Tagesspiegel 12.04.1997, S. 22. Schreiben Ein Schriftsteller ist natürlich in erster Linie das, was er schreibt, nicht das, was er denkt oder was er sich wünscht. Was er geschrieben hat, ist das, was er an andere weitergibt und nach dem sich andere ihr Urteil über ihn bilden können. Ich habe deshalb nie versucht und werde nie versuchen, Teil von dem, was ich in meinem Leben gemacht habe - es ist ja rein quantitativ nicht sehr viel, wie jeder weiß, und lässt sich leicht überblicken -, verschwinden zu lassen oder abzuleugnen. Ich mache wie alle Menschen Wandlungen durch, aber ich gehöre zu denen, die nicht bereit sind, einen Teil dieser Wandlungen zu verschweigen oder abzuleugnen. Alle diese Stufen, über die man gestiegen ist, haben ihre Bedeutung. Stephan Hermlin Für Ideen und Konzepte, ndl 1990, H. 3, S. 8. Ich bin nicht der Mann, der Monografien schreiben wollte oder schreiben könnte, das ist gar nicht meine Art. Ich halte sehr viel davon, eine künstlerische Figur genau in ihrer Zeit zu situieren, präzis in einigen Zügen darzustellen und hinzuweisen auf bestimmte Züge ihres Werkes, die mich frappiert haben. Das habe ich immer nur auf ganz wenigen Seiten getan. Ich beobachte gelegentlich mit Amüsement andere Menschen, die fähig sind, über irgend ein Werk - das kann ja sehr bedeutend sein - dreihundert Seiten zu schreiben. Mir ist es überhaupt nicht gegeben, bei mir kommen immer nur sechs bis acht Seiten heraus, und dann habe ich das Gefühl: ich habe alles gesagt, was mir zu sagen möglich oder aufgetragen ist. Stephan Hermlin Schlenstedt, Silvia: Stephan Hermlin, Volk u. Wissen Volkseigener Vlg. , Berlin 1985, S. 17. |